Time to Pride

Es ist Juni und der wohl bunteste Monat im ganzen Jahr. Zumindest strahlen die Farben heller und schöner. DOCH: Ich will in diesem Monat nicht der 100. Beitrag über die Wichtigkeit der Sichtbarkeit sein.

Der Pride Monat ist jedoch oft Anlass, dass man auch Freunde und Bekannte über die Bundesländergrenzen hinaus trifft.

Das Lustige daran ist:

Wenn man sich in den jeweiligen Städten trifft, bekommt man meistens eine „ungewollte“ Sightseeing-Tour. Das passiert am häufigsten „Out-of-Drag“. Also ohne Make up, ohne Kostüm und - in meinem Fall - ohne Bart.

Sobald mich dann jemand ruft wirds spannend: „Klara - guck mal!“ und schwups sind die Passanten irritiert. „Klara? hää - der sieht doch aus wie ein Mann“ - Ich höre die Leute quasi denken. Innerlich lache ich mich immer kaputt, weil ich die Gesichtsausdrücke oft zu gern festhalten würde.

Doch wann passierte ich die Schranke in ein schwules Leben?

Mein Outing war im Alter von 19 Jahren. Es dauerte fast über ein Jahr bis ich komplett geoutet war. Vor Freunden, Bekannten, Familie und vor allem vor meiner Mutter. Irgendwie hat man ja doch Angst davor.

Sind wir mal ehrlich: Als Jugendlicher spricht man kaum darüber sobald man merkt, dass einem Männer besser gefallen, als Frauen. Man fängt an Filme mit queeren Charakteren zu schauen, informiert sich durch Zeitschriften und heutzutage natürlich noch viel leichter im Internet. Leider stößt man zu 80 % immer noch über Negativartikel. Headlines wie zB: „Meine Eltern wollen mich bekehren“, „Meine Freunde haben sich abgewandt“ oder „Ich wollte mir das Leben nehmen“ schüren Angst. Somit steigt natürlich automatisch die Angst vor dem Outing. Niemand will bekanntlich seine Liebsten verschrecken oder letztendlich alleine dastehen. Als beeinflussbarer Jugendlicher ist es natürlich umso schwieriger sich mit dem Outing zu beschäftigen.

Bei mir war das, zum Glück und ich danke Gott dafür, anders. Ich durfte schon immer ein relativ „schwules“ Leben geführt haben, denn mein Outing kam für niemanden überraschend. Im Gegenteil, sie waren eigentlich sehr froh darüber, dass ich mich geoutet habe.

Warum schreibe ich dann diesen Blog? Ich will genau DAS damit sagen:

Nicht immer muss Outing mit Verlust verbunden sein. Die Ängste die ich hatte, waren genau damit verbunden, dass Medien mich dazu gebracht haben, nicht auf mich und auf mein Gefühl zu hören. Denn niemals hätte mich meine Mutter verstoßen - egal was ich machen würde. Aber ich hatte Angst, weil ich soviel negatives gelesen hatte und nur mit negativen Geschichten konfroniert war.

Aber zurück zur Frage:

Wann passierte ich die Schranke in ein schwules Leben?

Ich habe lange Zeit keine Gaybars aufgesucht, Regenbogenparaden waren für mich Faschingsumzüge, Gayfriends? Never! und ein schwules Leben? Pfff, brauch ich nicht. Ich bin ein Mann. Ich lebe Tradition. Ich definiere mich nicht über „Schwul-sein“.

Auch wenn es im Job mal zur Frage kam, ob ich denn eine Freundin hätte, hab ich das nie richtig gestellt. Wozu auch? (Das sehe ich heute noch genauso, jedoch stelle ich richtig, dass ich keine Freundin haben werde)

Heute, sagen wir mal 10 Jahre später, kann ich sagen: Ich stand lange Zeit VOR dieser Schranke. Vor der Schranke in ein schwules Leben. Durch Selbstliebe und durch Selbstakzeptanz ging ich erst vor ca. einem Jahr. Seit Beginn von Klara Mydia. Sie hat mich dazu gebracht, selbstsicher und selbstbewusst zu werden. Heute kann die Party nicht bunt genug sein, die Bars können übergehen mit schönen Menschen und vor allem auf der Regenbogenparade muss ich dabei sein. Ich denke ich habe es geschafft. Ich bin hindurch.

Ich bin es: ICH BIN SCHWUL!!

PS: Natürlich darf man Negativschlagzeilen nicht vernachlässigen oder verharmlosen. Outing wird nach wie vor ein problematischer, schwieriger und vor allem langer Schritt sein. Mich erreichen auch Hasskommentare und ich hatte bzw. habe auch verbale und körperliche Angriffe von Menschen, die mir nicht nahe stehen. Doch genau jetzt halten meine Freunde und Familie und vor allem die Community zu mir und stehen mir zur Seite.

Wir können und sollen für alle angehenden Schwulen, Lesben und Transpersonen auch ein Vorbild sein, wie schön ein buntes Leben sein kann. Ich weiß, ich wäre dann eher durch die Schranke in ein schwules Leben gegangen.

Danke, dass du bis hierher gelesen hast.

Hast du Fragen? Schreib's in die Kommentare.



Fühl dich fest gedrückt…

Klara




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